Zum Inhalt springen
Schnittkunde

Friseurhandwerk
aus Köln

Start / Journal / Haar und Pflege

Haarstruktur: Porosität, Dichte und Haardicke

Drei Begriffe, die im Salon ständig fallen und im Alltag ständig durcheinandergehen. Wer sie auseinanderhält, versteht die Hälfte jeder Empfehlung.

Stand: 21. August 2026 Malin Kerbach, RedaktionHaar und Pflege

Makroaufnahme einzelner heller Haarfasern vor dunklem Grund

Haar ist eine tote Faser aus Keratin. Außen liegt die Schuppenschicht, darunter der Faserstamm mit dem Pigment. Fast jede chemische Behandlung arbeitet über diese Schuppenschicht: Sie muss sich öffnen, damit etwas hineinkommt, und danach wieder anliegen.

Wie leicht das geht, wie viel Material dabei gebraucht wird und wie lange es dauert, hängt an drei Größen.

Porosität

Porosität beschreibt, wie leicht die Faser Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Stark poröses Haar zieht Farbe schnell an und verliert sie schnell wieder, fühlt sich trocken an und wirkt stumpf. Wenig poröses Haar ist widerspenstiger: Es nimmt Farbe langsamer an und braucht längere Einwirkzeiten.

Porosität ist zum Teil angelegt und zum größeren Teil erworben, durch Hitze, Chemie und mechanische Belastung. Sie ist die Größe, die sich am stärksten verändern lässt, in beide Richtungen.

Dichte

Dichte ist die Zahl der Haare auf der Kopfhaut. Sie bestimmt Materialverbrauch und Arbeitszeit: Viel Haar braucht mehr Farbe und länger zum Auftragen, Durchziehen und Trocknen. Über die Beschaffenheit des einzelnen Haares sagt sie nichts.

Haardicke

Haardicke ist der Durchmesser der einzelnen Faser. Kräftiges Haar hat einen größeren Durchmesser und oft ein Mark im Inneren; feines Haar hat einen kleineren.

Die Verwechslung, die alles erklärt

Dichte und Dicke werden im Alltag als dasselbe behandelt, und genau daraus entsteht der häufigste Missverständnisfall: Man kann viel feines Haar haben, und man kann wenig kräftiges Haar haben. “Ich habe dünnes Haar” kann also zwei völlig verschiedene Ausgangslagen meinen, mit gegensätzlichen Konsequenzen für Schnitt, Farbe und Pflege.

Feines, dichtes Haar verträgt zum Beispiel andere Ausdünnungstechniken als kräftiges, spärliches. Wer im Gespräch sagt, welche der beiden Größen gemeint ist, spart eine Runde.

Was daraus für die Pflege folgt

Nach jeder chemischen Behandlung ist die Faser offener als vorher. Die Reihenfolge, in der danach etwas darauf kommt, entscheidet mehr als das Produkt: erst den pH-Wert senken, damit die Schuppenschicht anliegt, dann Feuchtigkeit einbringen, dann versiegeln. Wer mit Öl anfängt, hält damit ab, was hineinsollte.

Und die unbequeme Wahrheit: Pflege repariert kein Haar. Die Faser ist tot und heilt nicht. Was sich erreichen lässt, ist eine glattere Oberfläche, gehaltene Feuchtigkeit und langsamerer weiterer Schaden. Alles darüber hinaus ist Werbesprache.

Diese Seite nennt keine Produkte und keine Marken. Es gibt hier keine Tests und keine Provision.

Weitere Beiträge

Alle Beiträge