Techniken
Was bei den gängigen Verfahren tatsächlich mit der Haarfaser passiert und warum daraus unterschiedlicher Aufwand folgt.
Zwei Familien
Fast alles, was im Friseurhandwerk am Kopf passiert, gehört zu einer von zwei Familien. Die eine ist mechanisch: schneiden, ausdünnen, texturieren. Die andere ist chemisch: färben, aufhellen, tönen, dauerhaft umformen. Die beiden Familien haben verschiedene Risiken und verschiedene Zeitprofile, und sie werden im Gespräch trotzdem oft in einen Topf geworfen.
Mechanische Arbeit ist sofort sichtbar und nicht rückgängig zu machen. Chemische Arbeit braucht Einwirkzeit, ist vom Ausgangszustand abhängig und hinterlässt einen veränderten Faserzustand.
Der Schnitt
Ein Schnitt legt fest, wie sich das Haar beim Wachsen verhält. Entscheidend sind nicht nur die Längen, sondern der Winkel, in dem eine Partie abgehoben wird, und die Spannung, mit der sie gehalten wird. Dieselbe Länge, anders abgehoben, ergibt eine andere Form.
Deshalb ist die Frage “Wie viel soll ab?” fast nie die wichtigste. Die wichtigere ist, wie die Form in sechs Wochen aussehen soll.
Färben und Aufhellen
Färben und Aufhellen sind zwei verschiedene Vorgänge, auch wenn beide in derselben Schale angerührt werden. Aufhellen entfernt Pigment aus der Faser. Färben lagert Pigment an oder in die Faser ein.
Daraus folgt eine Regel, die viele Enttäuschungen erklärt: Das Ergebnis hängt immer vom Ausgangston ab, nicht nur vom Wunschton. Dunkles Haar, das hell werden soll, muss erst aufgehellt werden, und dabei kommen die darunterliegenden warmen Töne zum Vorschein, die anschließend ausgeglichen werden.
Strähnen und Balayage
Beide erzeugen helle Partien, auf sehr verschiedene Weise.
Strähnen werden abgeteilt und in Folie oder unter einer Haube isoliert, damit das Mittel nur dort wirkt. Das ergibt einen klar abgegrenzten, gleichmäßigen Verlauf und geht bis an den Ansatz. Genau deshalb wird der Ansatz sichtbar, sobald das Haar nachwächst.
Balayage ist Freihandarbeit. Das Mittel wird auf die Oberfläche gestrichen, mit weichem Beginn und ohne festen Ansatz. Der Übergang wächst weniger scharf heraus, dafür hängt das Ergebnis stärker von der Hand ab, die es aufträgt, und der Auftrag dauert länger.
Keine der beiden Techniken ist die bessere. Sie beantworten verschiedene Fragen: Gleichmäßigkeit gegen Nachwuchsverhalten.
Tönung und Glossing
Ein Glossing ist keine Aufhellung, sondern eine Tönung mit geringer oder ohne Aufhellwirkung. Es korrigiert den Ton, legt sich um die Faser und gibt Glanz. Es hält kürzer als eine Farbe und wird deshalb häufig zwischen zwei größeren Terminen eingesetzt.
Warum das den Aufwand erklärt
Der Aufwand einer Behandlung ergibt sich aus der Zahl der Arbeitsgänge, aus der Handarbeit gegenüber dem Schema und aus der Zeit, die das Mittel braucht. Eine Freihandtechnik über die ganze Länge bindet den Stuhl länger als eine Ansatzfarbe. Was das für die Kalkulation bedeutet, steht im Bereich Preise.